Die EVI Energieversorgung Hildesheim hat einen Wärmeliefervertrag mit der Kommunale Nährstoffrückgewinnung Niedersachsen GmbH (KNRN) geschlossen. Hierfür soll die im Bau befindliche Mono-Klärschlammverbrennungsanlage am Hildesheimer Hafen an das bestehende Fernwärmenetz der EVI angeschlossen werden, um künftig die Wärme aus der Verbrennungsanlage zu nutzen.
Die EVI erweitert dafür ihr Fernwärmenetz bis in den Hildesheimer Hafen, um die Klärschlammverbrennungsanlage als weitere Wärmequelle anzuschließen. Die vier Kilometer lange Fernwärmeleitung wird derzeit geplant und anschließend ausgeschrieben. Künftig soll so die im Prozess des Phosphor-Recyclings entstehende Wärme der Klärschlammverbrennungsanlage in das kommunale Fernwärmenetz der EVI eingespeist werden und so einen Beitrag zur CO2-armen Versorgung der Stadt Hildesheim mit Wärme leisten.
Durch die KNRN werden bis zu 44.000 MWh Wärme pro Jahr CO2-neutral produziert. Die Klärschlammverbrennung ergänzt den bisherigen Energiemix im Fernwärmenetz der EVI, so dass zukünftig Klärschlamm und Holz den Großteil der Fernwärme für Hildesheim liefern werden. Durch die Nutzung von Klärschlamm wird ein kommunaler Reststoff zur Wärmeversorgung genutzt.
„Die Fernwärme der EVI spielt insbesondere in der kommunalen Wärmeplanung der Stadt Hildesheim eine ganz entscheidende Rolle. Daher sind wir froh, dass der Ausbau vorangeht und an dieser Stelle Synergieeffekte zum Wohle aller genutzt werden. Das ist gerade auch mit Blick auf die CO2-Neutralität ein herausragendes und zukunftsfähiges Projekt, welches weit über Hildesheim hinausstrahlt und sicher auch in anderen Städten Schule machen kann“, sagt Hildesheims Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer.
„Wir glauben an unsere Fernwärme, als Alternative zu fossilen Energieträgern und sind überzeugt, mit diesem Vertrag einen zukunftsfähigen und strategischen Baustein in unserer Wärmeversorgung geschaffen zu haben“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer der EVI, Mustafa Sancar. „Der Fernwärme in Hildesheim gehört die Zukunft. Deshalb ist es für die EVI besonders wichtig, dass wir mit dem zwischen der KNRN und der EVI geschlossenem Wärmeliefervertrag eine langfristige Partnerschaft im Sinne der kommunalen Aufgabenträgern geschlossen haben“, ist sich Mustafa Sancar sicher.
Dr.-Ing. Jens Manthey, Geschäftsführer der KNRN GmbH zeigt sich erfreut: „Wir freuen uns, dass mit diesem Vertrag nun die Grundlage dafür geschaffen wurde, das Verständnis unser 22 rein kommunalen Gesellschafter hinsichtlich Nachhaltigkeit in diesem Projekt abzubilden. Von Anbeginn wollten diese mehr als nur die reine Implementierung eines Lösungsansatz hinsichtlich der Aufgaben, welche sich aus der Novellierung der Abfallklärschlammverordnung ergaben. Sie hatten sich bereits früh für das von KNRN verfolgte Konzept entschieden, die unvermeidliche anfallende klimafreundliche Wärme auszukoppeln und in Form von Fernwärme der Allgemeinheit, und dies sind am Standort die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hildesheim, zur Verfügung zu stellen. Neben diesem Aspekt wird es am Standort durch den Bau und Betrieb der Anlage rund 25 neue, krisensichere Industriearbeitsplätze geben. Um den Standort am Hildesheimer Hafen haben wir lange gekämpft. Bietet er doch neben den sehr vorteilhaften Synergieeffekten zur benachbarten Kläranlage der SEHi aufgrund seiner hervorragenden Anbindung über Schiene und Schiff die Voraussetzungen für gelebte Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die nun beschlossene Kooperation mit EVI ist somit das Verbindungsglied über das KNRN am Standort Hildesheim angekommen ist.“
„Das ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Wärmeversorgung in Hildesheim“, betont der technische Geschäftsführer Wolfgang Birkenbusch und führt weiter aus: „Neben einem weiteren Beitrag zur CO2-Reduktion setzen wir so auf eine lokale Wertschöpfungskette, von der Hildesheim wirtschaftlich profitieren kann und leisten einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeit und zur Erhöhung der Versorgungssicherheit. Denn mit der Nutzung des Klärschlamms verringert sich die Abhängigkeit von fossilen Primärenergieimporten.“
Klaus Blome, Leiter des Bereiches Fernwärme bei der EVI ist sich sicher: „Die Einbindung von Energiequellen wie der Klärschlammverbrennung ist zum Gelingen der Wärmewende in der Stadt unumgänglich. Im Zuge der kommunalen Wärmeplanung wird die EVI das Fernwärmenetz weiter ausbauen und weitere Quartiere mit Fernwärme erschließen. Damit reduzieren wir gemeinsam die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern noch weiter.“
Die Stadtentwässerung Hildesheim (SEHi) gehört zu den Gesellschaftern der KNRN. SEHi-Vorstand Dr. Ing. Erwin Voß sagt dazu: „Auf große Herausforderungen wie den Klimawandel gemeinsam gute Antworten finden, das ist eine Kernkompetenz kommunaler Unternehmen. Gemeinsam mit den vielen Gesellschaftern der KNRN sind wir als SEHi überzeugt, auf einem guten Weg zu sein. Wenn sich kommunale Unternehmen zusammenschließen, entstehen wie hier gute Lösungen.“
Seit 2011 betreibt die EVI auf dem Gelände der Stadtwerke Hildesheim am Römerring ein Holzhackschnitzelheizkraftwerk, in dem lokal geerntetes Waldrestholz und Holz aus der Landschaftspflege als vorrangige Energieträger eingesetzt und für die Produktion der Fernwärme verwendet werden. Diese Anlage produziert Wärme und Strom, im Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung.