Die Stadtentwässerung Hildesheim AöR (SEHi) arbeitet, wie alle kommunalen und gebührenfinanzierten Unternehmen, nach dem Kostendeckungsprinzip. Die gesetzliche Grundlage dazu ergibt sich aus dem Niedersächsischen kommunalen Abgabengesetz (NKAG). Zur Deckung ihrer Kosten erhebt die SEHi Gebühren. Durch diese Gebühren werden die Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung von Kläranlage und Kanal gedeckt. Wie jeder selbst feststellen kann, sind viele Preise und damit die Kosten in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dies betrifft auch die SEHi.
Viele Abwasserkanäle in Hildesheim sind in einem schlechten Zustand und müssen saniert werden. Wir müssen hier einiges aufholen und investieren massiv in die Kanäle und auch in die Kläranlage. Diese Kosten fließen als Abschreibungen in die Gebührenkalkulation mit ein. Da wir aber für diese Investitionen Darlehen aufnehmen müssen, sind die gestiegenen Zinskosten für uns ebenfalls ein großer Kostentreiber.
Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die letzte Gebührenanhebung für Schmutz- und Regenwasser 10 Jahre zurückliegt. Wir haben also den Gebührenzahlerinnen und Gebührenzahler zehn Jahre lang keine Gebührenerhöhungen zumuten müssen.
Die SEHi erhebt vier Gebühren:
Die Gebühren für die Beseitigung von Abwasser aus dezentraler Abwasserbeseitigung. Darunter fallen:
Die Kleinkläranlagen und die abflusslosen Sammelgruben.
Und dann
- a. Schmutzwassergebühr:
Diese richtet sich nach dem Trinkwasserverbrauch eines Haushalts und wird für den Haushaltskunden jährlich von der EVI in unserem Namen mit eingezogen
- b. Niederschlagswassergebühr:
Diese hängt von der Größe der versiegelten Flächen auf dem Grundstück ab. Dazu gehören zum Beispiel Dächer, gepflasterte Wege, Einfahrten oder Terrassen, von denen Regenwasser in die Kanalisation fließt. Die Niederschlagswassergebühr rechnet die SEHi (Stadtentwässerung Hildesheim) direkt ab.
Schmutzwassergebühr: Der Gebührensatz steigt von 2,14 € je m³ auf 2,83 € je m³.
Regenwassergebühr: Der Gebührensatz steigt von 0,59 € je m² auf 0,78 € je m². Für einen 4-Personenhaushalt bedeutet dies einen Anstieg von ca. 0,40 €/Tag.
Dies entspricht einer Erhöhung von ca. 32 % über 10 Jahre. In den letzten 10 Jahren hat sich der Baupreisindex für den Bereich Entwässerung um ca. 73 % erhöht, die Personalkosten um ca. 21 %, die Energiekosten um ca. 82 % und die Kosten für die Instandhaltung des Kanalnetzes um 260 %. Dies zeigt unsere Abhängigkeit von den Preisentwicklungen, gerade bei den Themen Energie, Klärschlamm, Personal, Baukosten und Zinsen.
Die Abwassergebühr zahlt der Eigentümer des Grundstücks oder derjenige, der es nutzt. Vermieter können die Kosten über die Nebenkosten an die Mieter weitergeben.
Im Vergleich zu anderen Kommunen liegen die Gebühren in Hildesheim trotz der Erhöhung eher im mittleren bis unteren Bereich vergleichbarer Kommunen.
Kosten für einen 4 Personenhaushalt nach einer Berechnung von „Haus und Grund Deutschland“
Die Tätigkeiten der SEHi zielen nicht darauf ab, Gewinn zu erzielen, sondern die Kosten zu decken. Sollten Überschüsse entstehen, müssten diese nach dem niedersächsischen Kommunalabgabengesetzes (NKAG) innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren in die Kalkulation einbezogen werden. Die Gebühren müssten entsprechend gesenkt werden. Andersherum müssen Fehlbeträge innerhalb des Zeitraums von drei Jahren durch Gebührenerhöhungen ausgeglichen werden.
Die SEHi berechnet jedes Jahr die Gebühren neu. Auf Basis der Ergebnisse der vorrangegangenen Jahre und des neuen Wirtschaftsplans werden die notwendigen Gebühren kalkuliert. In den vergangenen 10 Jahren gab es keinerlei Gründe, anhand der jährlichen Gebührenkalkulationen, für eine Anpassung der Schmutz- und Niederschlagswassergebühr. Die Gebühren für die dezentralen Anlagen wurden einmal angehoben, da die Gebührenkalkulation dies ergab. Will damit sagen, dass es keine willkürliche Aktion der SEHi ist, sondern auf einer seriösen, rechtlich geforderten Kalkulation beruht.
Die Einflussmöglichkeiten sind insgesamt sehr begrenzt. Beim Schmutzwasser können Einsparungen durch einen geringeren Frischwasserverbrauch erzielt werden, beim Niederschlagswasser durch die Verringerung versiegelter Flächen. Letzteres ist aus ökologischer Sicht sinnvoll und empfehlenswert. Die finanziellen Effekte bleiben jedoch gering, da die Kostenstruktur der SEHi zu über 80 % aus Fixkosten besteht und damit weitgehend unabhängig vom Frischwasserverbrauch ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Sinkt der Frischwasserverbrauch, können zwar auch bei der SEHi Kosten reduziert werden, der überwiegende Teil der Fixkosten muss jedoch auf eine geringere Wassermenge umgelegt werden. Dies kann dazu führen, dass es trotz Einsparungen zu Gebührensteigerungen kommt.
Die SEHi achtet sehr sorgfältig auf ihre Prozesse und ist sich der maßgeblichen Kostentreiber bewusst. Ziel ist es, diese Kosten durch vorausschauende und effiziente Strategien zu minimieren.
Gleichzeitig kommen weitere Aufgaben auf die SEHi zu, die fachlich notwendig und gesellschaftlich richtig sind, jedoch zu steigenden Kosten führen werden. Dazu zählt insbesondere die Einführung der vierten Reinigungsstufe, mit der künftig auch Stoffe aus dem Abwasser entfernt werden sollen, die bislang nicht ausreichend eliminiert werden können, wie etwa Medikamentenrückstände, Biozide, Mikroplastik und weitere Spurenstoffe. Diese Stoffe gehören nicht in die Gewässer, werden jedoch im Alltag genutzt. Parallel wird geprüft, inwieweit die Hersteller solcher Produkte künftig an den Kosten der Abwasserreinigung beteiligt werden können.
Auch die Folgen des Klimawandels – etwa zunehmende Starkregenereignisse oder längere Trockenperioden – sind bereits heute deutlich spürbar und erfordern zusätzliche Maßnahmen der Stadtentwässerung, um Hildesheim langfristig lebenswert zu erhalten. Zusammengefasst führen die Verbesserung der Lebensbedingungen, die Anpassung an den menschengemachten Klimawandel sowie der Umgang mit Bedrohungsszenarien, denen sich die SEHi als kritische Infrastruktur stellen muss, auch künftig zu weiter steigenden Kosten.
Gleichzeitig ist die SEHi an zahlreichen Projekten beteiligt, die teilweise mitinitiiert wurden, um Kosten zu senken. Dazu zählt unter anderem die KNRN, die künftig große Mengen CO₂-neutraler Wärme für Hildesheim bereitstellen wird und neue Perspektiven für die Nutzung von Abwärme auf der Kläranlage eröffnet. Ebenfalls zu nennen ist die Hildesheimer Bodenbehandlungsgesellschaft HiBo, in der gemeinsam mit der EVI Böden aus Baustellen so aufbereitet werden, dass sie nicht deponiert, sondern wiederverwendet werden können. Dies spart Ressourcen und Kosten. Darüber hinaus werden Möglichkeiten einer erweiterten Klärschlamm- oder Biogasnutzung geprüft, um den Strombezug aus dem Netz zu reduzieren und dadurch langfristig Kosten zu senken.
Hier können wir allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern nur empfehlen, an den SEHi-Dialogen teilzunehmen, die mehrmals im Jahr an gut erreichbaren Orten im Stadtgebiet stattfinden. Seit zwei Jahren wird dort über die ergriffenen Maßnahmen informiert, über die Zusammensetzung der Gebühren sowie über die Funktionsweise der Kläranlage. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.